Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Morgen geht’s los!

Nov• 02•14

Néfertiti zerrt ungeduldig an ihren Leinen. Ich löse eine nach der anderen, schieße sie ordentlich auf und verstaue sie in der Backskiste. Bis nur noch die kurze Mittelleine und die Achterspring übrig sind. Vor und Achterleine habe ich an der Klampe gelassen. Die werde ich gleich im City-Sport-Hafen wieder brauchen. Ich korrigiere die Lage des Kugelfenders, um in die Spring zu dampfen. Gehe zurück ins Cockpit und starte den Motor. Er springt sofort an. Néfertiti will auch los.

Grauer Himmel

Schwarze Wolke (Ein paar Tage vorher aufgenommen, bei gleichem Wetter)

Da trifft mich ein Tropfen. Über uns hat sich der Himmel schwarz zugezogen. Ich war so beschäftigt, dass ich die schwarze Wand nicht aufziehen sah. Eine Bö wuschelt durch meine Haare und es fängt an zu regnen. Ich nehme das Gas weg, bis der Motor wieder ausgeht. Donnern und Gewittergrollen. Schnell bringe ich Achterleine und Vorleine wieder aus. Trotzdem: Als ich den Niedergang hinunter haste und das Luk hinter mir zu ziehe, bin ich klitschnass.

Ich bereite mir einen heißen Tee und sitze in unserer gemütlichen Kajüte. Der Regen prasselt auf das Kajütdach. Ich genieße die Vorfreude auf den Törn, der ohne den lieben Blogleser, der nicht genannt werden will, gar nicht stattgefunden hätte. Ja. Ich habe das Angebot angenommen: Der neue Fluxgatekompass muss nur noch kompensiert werden. Die Batterien vermitteln ein Gefühl von Sicherheit und im Vorschiff blitzt und blinkt eine niegel-nagel-neue Toilette und ich habe immer noch etwas Luft zum Dispolimit. Wir werden keine großen Sprünge machen können, aber wir werden segeln!

Eine halbe Stunde später ist der Schauer durchgezogen, ich löse zum zweiten Mal Vor – und Achterleine, starte den alten Sabb, dampfe schulbuchmäßig in die Spring und kurz darauf sind wir unterwegs. Mein Freund Boris hat den Motor gehört und kommt aus seiner Kajüte, um mir beim Ablegen zu helfen. Da sind wir aber schon draußen. Er winkt zum Abschied. Ich winke zurück.

Wir haben die Elbe noch nicht erreicht, als der nächste Schauer hernieder bricht. Die Sicht nimmt dramatisch ab. Ich stoppe auf, schiebe das Niedergangsluk auf und klettere den Niedergang hinunter, um die Positionslichter einzuschalten. Glücklicherweise hatte ich nach dem ersten Schauer die Ölzeughose angezogen. Jetzt greife ich schnell die Jacke vom Haken und kurz darauf sind wir wieder in Fahrt.

Wolken bruch

Es tröpfelt ein bisschen

Wenige Minuten später kommt die Sonne auch schon wieder heraus.
Mick arbeitet an Deck seiner Papalagi. Als er mich sieht, hebt er den Daumen:

„Der Diesel klingt super!“ Ich hatte ihm bei unserem letzten Treffen von der Überhitzung erzählt…
Dann verschwindet er unter Deck, um Sekunden später bewaffnet mit einem Fotoapparat wieder aufzutauchen und ein paar Fotos von Néfertiti zu schießen. Derweil fahre ich ganz langsam weiter in den Hafen. Da vorne scheint ein Platz frei zu sein, an dem ich mit Nefertitis Backbordseite (Schokoladenseite) festmachen könnte. Ich stoppe auf, um die Fender über die Reling zu hängen. Wir haben fast Stillwasser.

Ich nehme langsam Kurs auf die freie Box. Am Steg hängt ein Schild „Reserviert“, was ich allerdings wegen des hohen Motorbootes daneben erst sehen kann, als ich schon eingebogen bin. Ich manövriere uns rückwärts wieder heraus. Derweil rennt der Hafenmeister schon über die Stege in unsere Richtung. Vermutlich hat er gesehen, wie wir in den reservierten Liegeplatz einbogen und will uns verscheuchen. Aber dafür kommt er zu spät.

In unserem Rücken liegt eine andere Schokoladenseitenbox. Und die ist wirklich frei. Ein freundlicher Mann steigt von seinem Motorboot und hält Nefertiti an der Reling fest, bis ich Vor- und Achterleine ausgebracht habe.
„Hier setzt manchmal heftiger Strom.“ sagt er.
„Ja. Danke für ihre Hilfe.“

Jetzt brauchen wir nur noch unsere Sachen einzuräumen, Proviant an Bord zu schaffen und Wasser zu bunkern. Morgen kann es losgehen!

Kurz darauf gibt es an Bord des Motorbootes eine lautstarke Auseinandersetzung. Ich bin froh, dass es bei Ima und mir im Moment total schön ist. Wir sind bestimmt meilenweit von allen Streits entfernt…

Weit gefehlt. Als Ima kurz darauf an Bord kommt und meine Vorbereitungen begutachtet (Sie ist gerade aus Durban zurück), fällt ihr erster Blick auf den schönen neuen Vorhang, der zweite auf die Segellast dahinter (Die schöne, neue Toilette ist unter dem Holzdeckel verborgen. Soll eine Überraschung sein.):
„Was ist denn das?!“
Sie hält das Vorschiff für unordentlich und räumt alles aus. Dabei spart sie nicht mit Kommentaren. Hinterher ist alles wieder eingeräumt wie vorher (ich schwöre!), nur dass der Eimer mit Leine und Kettervorläufer für den Zweitanker den Platz getauscht hat mit der Tasche voller Leinen.
„Und was ist jetzt anders?“
Sie packt mich spielerisch am Schlawittchen, zieht mich zum Niedergang und sagt dann zu dem Motorbootmann:
„Helfen sie mir ihn zu ertränken?“ Er scheint mit Imas Humor nichts anfangen zu können und sagt eher ernst:
„Was ist denn?“
Ich sage:
„Wir haben ein unterschiedliches Ordnungsempfinden.“
„Ach. Da kann ich auch ein Lied von singen!“

Gewitterwolke

Schauerstimung (Wenige Tage vorher aufgenommen, bei gleichem Wetter)

Um es kurz zu machen: Ich überlebe den Abend ohne ertränkt zu werden. Irgendwann ist alles (ordentlich) verstaut.
„Ich habe übrigens noch eine Überraschung für dich.“
„Eine Überraschung?“ In solchen Sachen kann Ima sein wie ein Kind:
„Was denn? Schokolade?“
„Viel besser.“
„Pralinen?“ Ich schüttele den Kopf und gehe zum Vorschiff:
„Guck mal.“ Als ich zum Holzdeckel über der Toilette greife sagt Ima:
„Nein! Eine neue Toilette?!“ Da blitzt und blinkt sie auch schon.
„Und die funktioniert auch?“ Ich nicke.
„Kein Eimer mehr?“
„Kein Eimer mehr.“
„Oh Klaus!“ Sie fällt mir um den Hals und herzt mich als hätte ich ihr eine Diamantkette geschenkt. (Liebe Männer, ich habe noch nie einer Frau ein Geschenk gemacht, dass mehr Eindruck gemacht hätte! Die nächsten zwei Wochen wird mir täglich dafür gedankt… meist sogar mehrfach täglich…)

Später sitzen wir still im Cockpit. Äußerlich still, aber innerlich sind wir aufgeregt: Morgen werden wir segeln! Wohin? Eigentlich wollten wir es vom Wetter abhängig machen. In Brunsbüttel entscheiden, ob wir in die Ostsee segeln oder noch einmal ins Wattenmeer. Aber für die ganze Woche sind leichte Winde vorhergesagt. Das bedeutet eine einfache Überfahrt. Ima will unbedingt zurück nach Wangerooge. Deshalb habe ich doch keine Karten für die Ostsee gekauft. Noch wissen wir es nicht, aber wir werden nie auf Wangerooge ankommen …

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4 Comments

  1. Rainer sagt:

    Hallo Klaus,
    eine neue Toilette und die Frau an Bord ist zufrieden. Ich habe dieses Jahr die Erfahrung auch gemacht. Meine Frau(Admiral) hat die alte Pumpe demoliert. Haben uns eine elektrische gegönnt. Jetzt ist die Welt schön.
    Gruß Rainer

    • Klaus sagt:

      Hi Rainer,

      ja. Da ticken die Geschlechter oft unterschiedlich…
      Obwohl ich mir ehrlich gesagt wegen der Toilette auch schon ein paar Mal auf die Schulter geklopft habe. Nur das Teil steht unterhalb von Néfertitis Wasserlinie. Das macht mir Angst…
      Liebe Grüße
      Klaus

  2. Dirk sagt:

    Hallo Klaus,

    Endlich, das Warten hat ein Ende! So schön, wieder von euch zu hören! Besser als das Ende der Bundesligapause

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