Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Flaute

Nov• 09•14

Ich wache früh morgens auf. Spüre wie Néfertiti sich leicht wiegt. In meinem Kopf ist nur Platz für einen Gedanken: Heute beginnt unser Törn. Der Törn, der fast nicht stattgefunden hätte. Ich stehe auf, schiebe das Luk auf. Die Tide ist schon gekentert. Aber kein Wind. Nicht einmal ein Windchen…

Spuren im Sand

Robinson war hier … mit Freitag … und … und …

Mein Blick geht zum Ankerlicht. Es leuchtet nicht. Hmm.
Ima guckt mich schlaftrunken aus ihrem Schlafsack an.
„Ich möchte noch ein bisschen schlafen.“
„Wir haben eh Flaute.“ Und Urlaub! Da müssen wir nicht frühmorgens mit lärmendem Diesel über eine spiegelglatte Wasseroberfläche donnern.
Als Ima eine Stunde später zum zweiten Mal wach wird, habe ich Tee gekocht und überrasche sie mit einer dampfenden Tasse. Wir halten Kriegsrat und beschließen, auf Wind zu warten. Zur Not den heutigen Tag auf Schweinesand zu verbringen. Wenn wir im Laufe dieser Tide nicht segeln, können wir abends mit der zweiten Ebbe noch ankerauf gehen und nach Drommel oder Pagensand verlegen.

Ima am Strand Schweinesands

Schwimmen gehen oder Feuerchen machen?

Ich pumpe Echna auf und wir rudern zur Insel, laufen händchenhaltend zum Strand auf der Nordseite. Schauen auf die Elbe. Ein riesiges Containerschiff zieht vorbei. Es ist sommerlich heiß und nur die Bremsen nerven. Wir könnten ein Feuerchen machen. Ich habe Rainfarn gesehen. Er ist giftig, aber wenn man ihn ins Feuer legt, vertreibt er die lästigen Plagegeister. Aber irgendwie ist Feuer eher etwas für abends. Also ziehen wir uns stattdessen aus und gehen schwimmen.

Zurück an Bord gibt es erst einmal unser Sonntagsritual: Pfannkuchen mit gebratenem Obst. Das Leben ist schön. Wind kommt keiner auf… Naja, eine leichte Brise kommt auf, aber da setzt schon längst wieder die Flut… Und geht wieder. Ich bin nicht traurig darüber. So können wir uns langsam wieder auf das Segeln eingroven.

Während Ima sich nach dem Mahl noch einmal hinlegt (Sie hat in den letzten Monaten 12 – 16 Stunden am Tag für das Studium gelernt), lasse ich Echna zu Wasser und schrubbe das Unterwasserschiff. Bringe die Logge wieder in Gang. Und repariere das Ankerlicht. Letzte Punkte der To do Liste abgearbeitet. Jetzt können wir segeln!

Baumwipfel Schweinesands

Auf der Insel

Abends kommt endlich eine kühlende Brise auf. Wir sitzen gemütlich im Cockpit bei einem Gläschen Wein und genießen die friedliche Stimmung. Die Tide ist gekentert, aber keinem von uns ist nach Anker aufgehen zumute. Dafür werden wir morgen segeln. Die ganze Tide mitnehmen. Das heißt früh aufstehen. Es wird langsam dunkel. Die meisten anderen Ankerlieger sind inzwischen aufgebrochen. Ich schalte das Ankerlicht ein. Diesmal werfe ich einen Kontrollblick ins Masttop. Das Ankerlicht leuchtet friedlich in die Nacht hinaus.

♦♦♦

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4 Comments

  1. Bertram sagt:

    كيف لطيف…
    Iman sieht aus wie aus einem orientalischen Märchen. Sie fliegt, auf einem Teppich aus Sand zur Wunderlampe…كيف لطيف

    • Klaus sagt:

      Hihi,
      den Verdacht hatte ich auch schon. Nur mit den Landungen harpert es noch ein bisschen… Und die Zaubersprüche gegen diese fiesen Bremsen muss sie auch noch mal üben … und ihre Wunderlampe, die die die (Huch! Ein Stotterzauber?!) Farben unentwegt ändert, zaubert manchmal meinen Schlaf weg… :)
      Alles Liebe
      Klaus

  2. Dirk sagt:

    Hallo Klaus!
    Genau heute vor 25 Jahren tat sich die Mauer auf und gab mir die so ersehnte Freiheit! Die Freiheit, zu sein, wo man will, zu tun, was einen glücklich macht, die Freiheit, die Werte zu leben, für die man mit seiner Überzeugung einsteht. Und nicht zuletzt die Freiheit, zu Segeln und eben auch und gerade diesen blog zu lesen. Dafür danke ich allen Menschen, die den Mut hatten, dafür zu kämpfen. Das ist nicht selbstverständlich und leider noch nicht überall auf der Welt so. Ich gebe zu, dass ich nicht der geborene Kämpfer bin. Auch für DIE ganz große Reise hat der Mut noch nicht gereicht. Sich von den eingefahrenen Gleisen zu lösen, ist schwer. Aber solche Geschichten wie deine sind vielleicht der entscheidende Kick, es selbst zu versuchen. Weiter so und danke!
    LG von der Suria

    • Klaus sagt:

      Lieber Dirk,
      Danke für Deine nachdenklichen Worte. Ich hatte das Privileg im Westen aufgewachsen zu sein. Ein paar Jahre vor dem Mauerfall klingelte es an meiner Haustür und ein junger mir wildfremder Mann stand vor mir und sagte:
      „Hallo Klaus. Ich bin Dein Cousin Lutz.“ Er war aus der DDR gekommen, weil man ihn dort trotz 1er Abi nicht Medizin studieren ließ. Nur weil er kein Mitglied der Partei war …

      Ich bot ihm einen Tee an und bevor das Wasser kochte, waren wir in ein
      intim-persönliches Gespräch verwickelt, so vertraut, als hätten wir uns schon immer gekannt … Er hat mir damals die Augen geöffnet für etwas, dass mir so selbstverständlich schien, dass ich es gar nicht richtig gewürdigt habe… Genau die Freiheit, von der auch Du sprichst.

      Schön dass Du uns daran erinnert hast, was für ein wertvolles Gut wir da in den Händen halten, auch wenn wir sie nicht immer nutzen. Manchmal reicht es ja auch(zumindest für eine Weile) einfach zu wissen, dass man sie hat, dass man los segeln könnte, den langen Törn machen. Ich habe allerdings den Verdacht, dass der Tag kommt, an dem das Träumen nicht mehr sättigt… Sicher auch für Dich ;)
      Alles Liebe
      Klaus

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