Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Eine Nacht

Nov• 29•14

Nachdem wir in die Kojen gekrabbelt sind, kuschelt sich Ima in den Schlafsack. Ich lese ihr noch eine Weile vor: „… Arnulf deckte den Schlag mit seinem Schild, drehte sich und schlug mit der Kraft der Verzweiflung … schläfst du? … nach der dunklen Gestalt.“

Segelboot Néfertiti ist in der Oste trockengefallen

Néfertiti neigt sich …


Keine Antwort. Nicht, dass Ima Fantasy in irgendeiner Weise schätzen würde. Aber es wirkt (gerade deswegen) besser als jede Schlaftablette.

Ich stehe leise von meiner Koje auf und überprüfe die Ankerpeilung. Mir scheint, Néfertiti hat sich bewegt. Ich habe überhaupt keine Lust, jetzt noch einmal neu zu ankern. Wenn unser auf Sand immer haltender Anker hier nicht hält, kann er nur in sehr weichem Schlick liegen. Das heißt: Wir werden einsinken und extrem ruhig liegen. So denke ich mir das jedenfalls. (Liebe Crews: Wenn Euer Skipper oder eure Skipperin etwas von keine Lust murmelt, solltet ihr hellhörig werden! Das gilt auch für Einhandsegler ;) )

Ich schalte das Echolot ein. Ein Blick zu Ima, aber sie wacht von dem Piepsen nicht auf. 3m. Das ist zu wenig. Aber bei Niedrigwasser werden wir halt etwas einsinken. Kein Problem. Für alle Fälle bleibe ich noch eine Stunde wach und checke dann noch einmal die Peilung. Jetzt peilt die Tonne rechts von der Pricke dahinter. Hm. Wir haben uns fünf, vielleicht zehn Meter bewegt. Aber vielleicht schwoijen wir auch nur. Ich bin mir nicht sicher. Die Peilmarken sind zu nah.

Nach einer weiteren halben Stunde steht die Tonne wieder links von der Pricke. Nicht so weit wie vorher, aber zumindest schliert der Anker jetzt nicht mehr. Beruhigt lösche ich das Licht und bin bald eingeschlafen.

Mitten in der Nacht werde ich wach. Ima hat sich in ihrer Koje aufgerichtet. Sie sagt:
„Ich glaube, wir liegen schief.“ Tatsächlich. Die Maststütze neigt sich leicht nach Backbord.

Segelboot Néfertiti fällt trocken in der Oste

… unmerklich

Ich schäle mich aus meinem Schlafsack. Das sind die kleinen Überraschungen beim Fahrtensegeln. Klettere den Niedergang hoch und leuchte mit der Taschenlampe über Bord. Die Schraube ist zu sehen. Von wegen: Einsinken im Schlick. Wir liegen auf Sand. Allenfalls eine dünne Schlickschicht darüber. Ich lote mit dem Bootshaken um uns herum. Der Untergrund ist eben. Den Niedergang wieder hinunter zu klettern ist schwieriger als eben noch hoch. Ohne, dass ich es oben bemerkt hätte, ist Néfertiti deutlich weiter gekippt. Kurz danach liegt sie ganz auf dem Ohr. Die Bewegung ist ohne jede Dramatik gewesen, nicht so wie man sich das vorstellt, wenn ein Boot umkippt. Ohne jegliches Krachen, dafür sanft und lautlos, wirklich unmerklich. Ich schnappe mir den Fotoapparat und mache ein paar Fotos für den Blog. Anscheinend liegen wir jetzt stabil auf der Seite.

Imas Koje befindet sich auf der richtigen Seite. Sie kann … könnte … einfach weiterschlafen. Meine Sachen liegen alle auf den Bodenbrettern. Ich habe versäumt das Kojenbrett hochzuklappen. Aber auch mit Kojenbrett wäre meine Koje kaum zu benutzen. Kurzerhand kuschel ich mich unten auf den Bodenbrettern in meinen Schlafsack. Eigentlich ganz gemütlich so. Nur die Maststütze stört ein bisschen.
„Wie?! Willst du jetzt schlafen?!“
„Was sollen wir sonst tun?“
Nach Sekunden bin ich wieder eingeschlafen. Zumindest behauptet das Ima, während sie keinen Schlaf findet, bis Néfertiti Stunden später wieder aufschwimmt.

♦♦♦

Dieser Blog – Eintrag erzählt von der Nacht des 29.7. auf den 30.7.2014

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