Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Das Damaklosschwert

Dez• 24•14

Abends. Unser Weltempfänger steht im Cockpit. Ich drehe das Gerät, bis der Empfang gut ist. Normalerweise spricht der Sprecher langsam und deutlich, aber heute hat die Sprecherin wohl noch eine Verabredung, zumindest will sie es schnell hinter sich bringen: „… BelteundSund: E5abnehmend3SchauerböenundvereinzeltGewitter… späterumlaufend3nordwestdrehend…“ Ich komme kaum mit dem Schreiben hinterher…

Abendstimmung

„…BelteundSund: E5abnehmend3SchauerböenundvereinzeltGewitter…“

Glücklicherweise ist der Empfang sehr gut. Der Trend für die nächsten Tage: West 4-5
„Das klingt nach Lungte Bugt.“
Ima ist einverstanden.

Wir haben nämlich beschlossen weiter zu segeln. Denn noch haben wir unser dänisches Wangerooge nicht gefunden. (Aber wir werden!) Und vielleicht spielt auch eine gewisse Rolle, dass wir uns aus diesem Untiefenlabyrinth erst wieder herauslavieren müssen. Das hängt wie ein Damaklosschwert über uns und ruft nach Auflösung.

Ich lege mich in die Koje und kuschel mich in den Schlafsack, da sagt Ima:
„Vielleicht sollten wir morgen noch irgendwo Wasser bunkern?“ Ich bin jetzt zu faul, um wieder aufzustehen und den Wasserstand zu checken. Morgen ist auch noch ein Tag.
„Bist du sicher, dass wir soviel verbraucht haben?“ Ima zuckt nur mit den Schultern. Aber sie hat schon recht. Sicher ist sicher.

Der nächste Morgen empfängt uns ebenfalls in zartem Grau. Ich will Wasser für einen heißen Tee aufsetzen, aber die Pumpe sprotzt nur Luft und ein paar Tropfen Wasser.
„Ich glaube, du hattest Recht. Der Tank ist alle.“

Gegen 8.00 Uhr gehen wir ankerauf. Von wegen Damaklosschwert. Alles halb so wild. Nach Sicht und Echolot tasten wir uns vorsichtig nach draußen: An der flachen Insel entlang, auf die Steilküste zu, dicht an die Steilküste heran, respektvollen Bogen um die einzelne runde Fischerboje, die vermutlich einen Unterwasserfelsen markiert, dann auf der 4m Linie der Rinne folgen. E 2-3. Wir setzen die Segel noch in der Rinne und segeln hinüber nach Strynø.

Unter Segeln aus dem  Lindelse Nor

Unter Segeln vor dem Lindelse Nor

Anderthalb Stunden nachdem wir Ankerauf gegangen sind, laufen wir durch die enge Hafeneinfahrt. Der Himmel dräut inzwischen dunkelgrau. In der Ferne hört man Donnergrollen. Bald wird es regnen. Der Hafen von Strynø ist winzig. Als altem Nordseefahrer sind mir die in der Ostsee üblichen Pfahlreihen suspekt. Ein Skipper winkt mir kameradschaftlich zu und zeigt uns den vorletzten freien Liegeplatz direkt neben seinem Boot. Der letzte freie Liegeplatz liegt am Kai und direkt daneben ein Wasserhahn mit Schlauch. Perfekt. Also rufe ich dem Skipper zu:
„Danke, aber wir wollen nur Wasser bunkern.“ Wir wenden Néfertiti im engen Hafenbecken und legen längsseits am Kai an. Es fängt an zu regnen. Dicke Tropfen. Ich bringe noch schnell die Springs aus und steige dann den Niedergang hinunter, schiebe das Luk zu und stopfe die nasse Ölzeugjacke hinter die Stufen des Niedergangs.

Um für die erste Regenpause gewappnet zu sein, öffne ich das Sorgloch des Wassertanks. Er ist noch halb voll… Und als ich die Wasserpumpe zur Probe in Gang setze, pumpt sie wie immer… Was war denn das heute morgen? Die Kraft des Gedankens? Wenn wir schon mal hier sind, werden wir auch Wasser bunkern. Während der Regen auf das Kajütdach prasselt, gibt es aber erst einmal einen heißen Tee und dann ein gemütliches Frühstück samt Pfannkuchen.

♦♦♦

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

4 Comments

  1. Wingeier sagt:

    Danke für eure Mitteilungen..waren wieder unterhaltend..Alles Gute und immer eine Handbreit..

  2. Thorsten Taute sagt:

    Herrlich bei Dezemberwetter durch die Südsee zu segeln,wie es wohl weiter geht.Frohe Weinachten euch beiden,Thorsten

    • Klaus sagt:

      Danke Thorsten, auch für die schönen Weihnachtswünsche. Wir haben ganz entspannt und zweisam mit einem köstlichen Mahl gefeiert. War richtig schön… :)
      Liebe Grüße
      Klaus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.