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Segeln als Digitale Nomaden

Ein unerwartet toller Segeltag

Dez• 26•14

Es regnet und regnet. Eigentlich wollten wir in Strynø nur Wasser bunkern, aber der Regen pladdert so auf das Kajütdach, dass wir erst einmal unsere Pläne ändern: Nach dem Frühstück liegen wir faul auf den Kojen. Naja. Der Skipper liegt faul auf der Koje und schmökert, eine Tasse dampfenden Tees in Griffweite, während die Crew fleißig auf der Koje liegt und für die Uni liest, ebenfalls einen heißen Becher Tee in Griffweite…

Segelboot Néfertiti segelt auf Strynø zu

Noch sieht der Tag nach nichts aus

Erst gegen 12 Uhr lässt der Regen nach und ich schlüpfe in mein Ölzeug, um Wasser zu bunkern. Eine viertel Stunde später haben wir die Leinen losgeworfen und Néfertiti strebt langsam der Hafenausfahrt zu. Wassertanks und Vorratsschränke voll. Ein tolles Gefühl. Der Wind ist derweil eingeschlafen. Die angekündigte Phase der umlaufenden Winde. Ich setze trotzdem die Segel und Néfertiti zuckelt – gerade noch Steuerwirkung – über eine ölig glatte See. Ima steckt noch die Erschöpfung der letzten Monate in den Knochen.
„Du kommst doch alleine klar. Ich würde mich gerne hinlegen.“
„Mach nur.“

Sie verpasst Segeln vom Feinsten. Aber erst einmal gleitet Néfertiti gemächlich auf das Fahrwasser zu. Die Sonne kämpft sich zögerlich durch das Grau. Als sie erst einmal durch ist, wird es sommerlich heiß. Erst ziehe ich die Ölzeugjacke aus … dann die Fleecejacke… schließlich die Ölzeughose. Da sind die letzten nassen Stellen auf der Gräting längst getrocknet. Golden schimmern die Getreidefelder von Langeland herüber, dahinter das satte Grün der Wälder. So habe ich mir das immer erträumt. Und ob wir Fahrt machen oder nicht, ankommen werden wir heute auf alle Fälle, denn so weit ist es nicht.

Segelboot Néfertiti Flauten segeln

Bekalmt im Fahrwasser nach Rudköping

Etwas später liegt Néfertiti bekalmt in der Fahrrinne vor Rudköping. Ab und zu überholt uns jemand unter Motor. Aber sonst ist die Stille ungestört. Die See ist so glatt, dass nicht einmal die Segel flappen. Nur ein leichter Strom zieht uns durch das Fahrwasser. Ich muss an meinen Vater denken. Bei unserem letzten Telefonat hatte er gesagt: „Ich habe von deiner Mutter geträumt. Wie geht es ihr denn?“ Was ich für das Ende einer Eiszeit gehalten hatte, war allerdings nur ein geheucheltes Manöver. Kurz vor unserer Abfahrt kam der Nackenschlag in Form eines Briefes an meine Schwestern und mich: „Wenn ihr eure Mutter nicht drängt in ein billigeres Heim zu ziehen, könnt ihr keinen Kontakt zu mir haben.“

Hinter uns riffelt sich das Wasser leicht. Der Wind streicht mir tröstend über das Haar. Und Néfertitis Bugwelle fängt an zu plätschern und erzählt eine Geschichte von Leben und Vergehen.
Dieser arme alte Mann.

Plötzlich schrecke ich aus meinen Gedanken auf: Vor Rudköping stehen zwei Untiefentonnen. Laufen wir gerade vierkant auf die Untiefe zwischen den beiden Untiefentonnen?! Ich reiße die Pinne herum, trotz ausgebaumter Genua und Bullenstander, denn der Wind hat gerade etwas zugenommen und wir laufen fast drei Knoten. Gucke auf die Karte… Habe übersehen, dass es hier eine Detailkarte gibt. Dummer Fehler. Es handelt sich um zwei Untiefen und ich muss zwischen beiden durchfahren… Néfertiti hat noch Restfahrt und ich bringe sie zurück auf Kurs. Der Mann auf der entgegenkommenden Yacht fragt sich sicher auch, was das denn für ein Manöver war. Tja. Halber Salto seitwärts mit angetäuschtem Sonnenschuß. Typisches Regattamanöver, um sich in die vorteilhafte hintere Position zu bringen…

Schmetterling segeln

Néfertiti bei leichter Brise

Hinter der Brücke dreht der Wind auf SW. Ich löse den Bullenstander und schiffte das Groß, gehe auf’s Vorschiff, hänge den Spibaum aus und staue ihn an seinem Platz an der Reling. Zurück in der Plicht hole ich die Genuaschot dicht. Halber Wind, keine Welle und Rauschefahrt. Das lebhafte Glucksen an der Bordwand weckt Ima. Sie richtet sich auf:
„Wir machen ja richtig Fahrt.“
„Jaaaaaaaaaaaa.“
„Und die Sonne scheint.“
„Jaaaaaaaaaaa.“ Wir segeln entlang der bewaldeten Küste. Die Bäume reichen bis fast ans Ufer. Vor der Huk liegt das Riff Stenodde. Ich suche die dazugehörige Untiefentonne und finde sie schließlich steuerbord voraus. Sie sollte Backbord voraus liegen. Ich falle etwas ab, während Ima sich aus dem Schlafsack schält und im Schlafanzug an Deck kommt.

Hinter der Huk liegt die Lungte Bugt. Aber das erste, das ins Auge sticht, ist das Schloss und seine Gesindehäuser. Südlich davon erstreckt sich Wald. Und vor dem wollen wir ankern. Nur ein einzelnes Segelboot liegt etwas südlich des von mir anvisierten Ankerplatzes.

Wir kreuzen bis dicht unter das bewaldete Ufer. Es gibt eine schmale tiefere Rinne, die es erlaubt relativ dicht unter Land zu ankern. Wir treffen sie mit unserem letzten Kreuzschlag genau (Was allerdings weniger auf einer navigatorischen Glanzleistung meinerseits beruht, als vielmehr auf meinem unverschämten Glück.) Also segeln wir dicht ans Land heran, drehen in den Wind und ankern auf knapp 4m Wassertiefe.

♦♦♦

Dieser Blog – Eintrag spielt am 3.8.

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5 Comments

  1. Peter sagt:

    Schön zu lesen, während es hier Schneematsch schneit/regnet. Da kann ich die kommende Segelsaison wieder nicht abwarten! Och…noch lange 3 Monate!
    Ich habe übrigens meinen Besuch in Hamburg zum Hafengeburtstag abgeschrieben – zuviel Jubel, Trubel etc. Jeden den ich darauf ansprach hat mir davon abgeraten.

    • Klaus sagt:

      Hi Peter,

      der Schneematsch hat uns (noch) verschont. Ich war heute mal wieder auf dem Boot und es war zum ersten Mal richtig kalt… Dann versiegte auch noch die Gasflasche, als ich gerade Teewasser aufgesetzt hatte …

      Wenn Du bei anderer Gelegenheit mal nach Hamburg kommen solltest: Melde Dich. ;)

      Liebe Grüße
      Klaus

  2. Bertram sagt:

    Guten Tag Klaus,
    Mensch dein Vater scheint euch wirklich zu benutzen, um seinen eigenen Frust (vielleicht privater Art?) ab zu bauen. Das ist betrüblich.
    Ich wünsche dir aber weiterhin so ein glückliches Leben mit Blog, Boot & Frau! Kommt mir bloß gesund und fröhlich ♫♪ ♪♫ in das neue Jahr, :)
    Bertram

  3. Fredy Wingeier sagt:

    Danke für die bildliche Darstellung….und lass dich von deinem Pa nicht nötigen, denn das hast du nicht verdient…auf jeden Fall wünsche ich euch weiterhin viele tolle Erlebnisse…lg

  4. Klaus sagt:

    Danke für die schönen Wünsche Ihr Beiden,

    Das Verhältnis zu meinem Vater ist schon lange schwierig. Ima hat mir geholfen, ihm trotz allem immer eine Tür offen zu halten. Ich lasse mich von ihm auch nicht mehr runterziehen. Jedenfalls nicht mehr bis ganz unten. Trotzdem habe ich auf dieser Fahrt wieder häufiger an ihn gedacht, als ich wollte… (Aber nicht mehr stundenlang! ;) )

    Liebe Grüße
    Klaus

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