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Segeln als Digitale Nomaden

Waaaarten

Apr• 17•15

So früh ich gestern in die Koje gestiegen bin, so früh wache ich auf. Halb fünf. Es ist noch dunkel. Richtig ausgeschlafen fühle ich mich trotzdem nicht, also drehe ich mich noch einmal um. Nur ein Minütchen! Als ich wieder aufwache, ist es kurz nach halb sieben. Ich hatte schon vorgestern ausgerechnet, dass ich von hier spätestens um sieben los müsste, wenn ich mit der Tide den Ankerplatz auf der Stör erreichen möchte. Angesagt sind SW 5-6. Hoffen wir mal, dass das Ausschleusen in Brunsbüttel nicht so lange dauert wie das Einschleusen in Holtenau.

Langkieler Néfertiti im Nord Ostsee Kanal

Morgenstimmung

Um 06.50 Uhr löse ich als letztes die Mittelleine, setze Néfertiti ab und gebe langsam Gas. Wir sind wieder unterwegs.

Gegen 12.00 Uhr erreichen wir die Schleuse, die kurz vor unserer Ankunft geöffnet hat, so dass wir als letztes Boot einlaufen. Natürlich jault wieder eine Bö im Rigg. Der Einhandsegler, der vor uns eingelaufen ist, klettert von seinem Boot herunter und nimmt meine Leinen an. Willkommen in der Nordsee. Wir schnacken während die Boote geschleust werden.
„Immer wieder spannend, was einen da draußen erwartet.“ sagt er.
„Oh. Ich glaube, wir wissen schon, was uns da draußen erwartet: Entweder ungemütlich oder total ungemütlich.“
Er grinst mich an und dann verabschieden wir uns, denn das Schleusentor öffnet sich.

Langkieler Néfertiti im Nord Ostsee Kanal

Sobald die Sonne rauskommt…

Jenseits des Schleusentores erwartet uns total ungemütlich. Das Wasser in der Vorschleuse kocht. Da Néfertitis Schraube relativ hoch sitzt, kommt die Schraube ständig aus dem Wasser und dreht frei, der Motor jault auf und wir stehen fast auf der Stelle, kommen nur mühsam aus der Vorschleuse, obwohl ich (fast) Vollgas gebe…

Schließlich haben wir die fünfzig Meter überwunden und erreichen die Elbe. Alles nimmt normale Züge an. Ich setze die gereffte Genua, rigge die Windfahnensteuerung und räume Fender und Leinen in die Backskiste. Danach setze ich noch das gereffte Groß und ab geht die Post. Hier draußen ist der Seegang moderat. Von ungemütlich keine Rede mehr. Diesmal singe nicht ich, sondern Néfertiti. Sie wirft Gischt zur Seite, die mit einem satten Woooosch in das Elbwasser zurückfällt. Schneidet die nächste Welle und läuft… René aus Zürich sagte einmal: Man spüre, wenn sich das Boot wohl fühle, wenn alles stimme, und so ist es jetzt mit Néfertiti.

Langkieler Néfertiti im Nord Ostsee Kanal

Nord Ostsee Kanal: Alle warten …

Eine halbe Stunde später hat der Wind rückgedreht. Hoch am Wind können wir gerade noch anliegen. Starkwind gegen Strom. Die See steilt sich auf und Néfertiti fängt an sich durch die Wellen hindurch zu boxen anstatt leicht darüber zu gleiten. Aber es ist ja nicht mehr weit.

Bei der Tonne 73 drehe ich bei und berge das Großsegel. Quere mit Raumen Wind die Elbe und laufe auf das Sperrwerk zu. Ein Einhandsegler kommt mir unter Segeln entgegen. Er kreuzt in dem schmalen Fahrwasser. Respekt. Wir grüßen uns von Einhandsegler zu Einhandsegler.

Als ich das letzte Tonnenpaar vor dem Sperrwerk passiere, hat sich dort noch nichts getan. Ich verkleinere die Segelfläche, um langsamer auf das Sperrwerk zu zu segeln, aber da trifft niemand Anstalten, mich durchzulassen. Wir nähern uns dem Halteschild. Ich starte die Maschine und rolle die Genua ganz weg. Wind und Strom drücken uns mit Gewalt auf das Sperrwerk und ich gebe immer mehr Gas rückwärts. Schließlich kann ich Néfertiti mit Vollgas auf der Stelle halten. So gerade unter der Drehzahl, bei der der weiße Dampf entweicht. Hinter uns ist kein Boot zu sehen. Das sollte schnell gehen…

Nach zehn Minuten finde ich, man könnte uns langsam mal durchlassen. Zumal gerade kein Verkehr auf der Straße herrscht. Ein weiterer Blick zurück. Auf der Elbe kämpft sich ein Boot gegen die Strömung vor. Vermutlich ist da jemand ganz früh los, um die ganze Tide auszunutzen, denn in einer halben Stunde wird die Tide kentern. Bestimmt haben die einen weiten Schlag vor sich. Vielleicht nach Helgoland? Viel Spaß bei dem Wetter…

Langkieler Néfertiti im Nord Ostsee Kanal

… auf den Dicken

Inzwischen warte ich über eine viertel Stunde. Ich greife nach dem Nebelhorn und gebe ein sehr, sehr langes Signal. (Solange meine Luft reicht und ich habe sechs Liter Lungenvolumen…) Keine Reaktion. Planen die Götter da meine Gesellenprüfung in Punkto Gelassenheit? Nach zwanzig Minuten nehme ich das Fernglas. Das Segelboot quert jetzt das Fahrwasser. Kann es sein, dass wir auf die warten. Unmöglich! Nach einer guten halben Stunde Warten meinerseits erreichen die das erste Tonnenpaar der Störmündung. Tatsächlich…
Zehn Minuten später öffnet sich die Brücke, obwohl das kleine Boot noch einen weiten Weg hat. Danke. Hinter mir bleibt sie offen, bis auch das andere Boot hindurch ist.

Ich habe eine Ahnung, was da passiert ist, denn als ich das Sperrwerk erreichte, war das Boot von hier aus nicht zu sehen. Vermutlich haben sie das Sperrwerk angefunkt, als ich die Elbe überquerte:
„Da fährt gerade ein Segelboot rein. Wir sind auch gleich da.“
„Wie lange braucht ihr denn?“
„Wir sind in zehn Minuten da.“
„Na gut.“ Welche Navigationskünste kann man auch von Seglern erwarten, die stundenlang gegen die Strömung anbolzen und in dem Moment in den Hafen gehen, wenn die Tide in die günstige Richtung kentert?!

Gegen 15 Uhr ankern wir auf dem gut geschützten Platz. Da kommt auch schon der nächste Pulk von Booten, die das Sperrwerk (ganz ohne Wartezeit) passiert haben. Alle laufen in den kleinen Hafen.

Dafür habe ich jetzt Muße, das letzte Frischgemüse zu verarbeiten… und habe ich da später nicht auch einiges für den Blog nachzutragen?

♦♦♦

Dieser Blog Eintrag spielt am 22.8.2014

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8 Comments

  1. Julian Buss sagt:

    Hallo Klaus,

    wo genau hast Du in dem Störloch geankert? So, dass Du trockengefallen bist?
    Ich werde morgen auch im Störloch sein und würde gerne ankern, weiß aber noch nicht, wie viel Platz da neben bzw. vor dem Hafen ist.

    Danke und Gruß,
    Julian

    • Klaus Klaus sagt:

      Lieber Julian,

      In der Stör sind wir nie trocken gefallen. Da ist viel Platz. Wir ankern hinter der ersten Biegung (vom Sperrwerk kommend). Der Ankerplatz ist in der Karte auch ausgewiesen…
      Viel Spass! Beneide Dich ein bisschen. Néfertiti ist zwar im Wasser, aber noch nicht fertig … Hast Du einen längeren Törn vor, oder fährst Du nur mal über das Wochenende los?
      Liebe Grüße
      Klaus

      • Julian Buss sagt:

        bin auf Überführungsfahrt von Hamburg nach Damp :-) Immer im Frühjahr in die Ostsee und im Herbst wieder zurück nach Hamburg.

        Danke für die Info, ich guck mir das morgen mal an!

        Wo liegt Néfertiti denn momentan?

        • Klaus Klaus sagt:

          Néfertiti liegt im Travehafen. Direkt neben der Waschpo…

          Der Ankerplatz an der Stör ist übrigens gegen alle Richtungen gut geschützt. Ich denke, der Grund ist Schlick oder Schlick auf Sand. Einziger Wermutstropfen: Man guckt auf die Werft.

          Gute Reise!

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