Fahrtenseglers-Glück.de

Segeln als Digitale Nomaden

Ankern im Watt oder: Eine gute Seele

Feb• 23•20

Als ich aufwache weht es immer noch ordentlich. In den Böen heult der Wind im Rigg. Ich schäle mich aus dem Schlafsack und werfe einen Blick in die Runde. Die Tide ist gekentert. Das morgendliche Niedrigwasser ist schon durch. Néfertiti liegt noch im Schutz der Sandbänke und bewegt sich kaum. Aber die Sonne scheint und der Himmel sieht freundlich aus. Auch wenn die ersten Zirren zu sehen sind. Ich schiebe das Luk vorsichtig wieder zu, aber Ima ist doch aufgewacht:
„Guten Morgen, Habibi.“
„Guten Morgen, Ima.“
„Krieg ich einen Kuss?“

Sandbank

Unser kleines privates Paradies

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Alltag auf der Seehundbank

Feb• 16•20

Als ich morgens aufwache arbeitet Néfertiti in einer leichten Welle. Auf und nieder … auf und nieder … Wahrscheinlich hat mich das geweckt. Ima ist auch wach:
„Was ist denn das für ein Seegang?!“ Ich streife den kuschelig warmen Schlafsack ab, steige aus der Koje und schiebe das Luk auf. Mäßiger Wind aus Südost. Ima guckt mich fragend an:
„Und?“

Fischkutter im Watt vor der Seehundbank

Kurzer Besuch bei der Seehundbank

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Orkantief Sabine

Feb• 09•20

Uhrzeit: 13.08 h      999 hPa     Bedeckter Himmel  um S 5-6Bft, erste Sturmböen

Das Orkantief Sabine wird auch über Hamburg hinwegziehen. Da Néfertiti im Wasser überwintert, werde ich heute an Bord bleiben. Für alle Fälle. Bin gerade auf Néfertiti angekommen. Gestern habe ich die Segel und den Baum abgeschlagen und zusätzliche Festmacher ausgebracht. Jetzt schwimmt Néfertiti wie in einem Spinnennetz etwas vom Steg entfernt und harrt der Dinge, die da kommen mögen.

Néfertiti, Kajüte, Salon

Jetzt erst einmal eine Wärmflasche machen und etwas essen.

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Das Häkchen

Feb• 05•20

Abends steht plötzlich der Kassenwart des Spiekerooger Segelvereins auf dem Schlengel neben Néfertiti.
„Ich kenne euren Segelblog.“ Später werden wir Martin und seine reizende Familie noch ganz anders kennen- und schätzen lernen, aber der Einstieg ist schon klasse. Komplimente bezüglich des Segelblogs lassen sich ja nur noch durch Komplimente über das Boot toppen und Martin hat beides drauf. Aber wir wollen noch auslaufen, so dass wir uns kurz fassen. Nicht weit. Nur mal eben rüber zur Ostspitze Langeoogs, aber es herrscht ablaufendes Wasser. Die Halbe Tide ist fast durch. Wir sollten los!

Segeln, Hohe See, Sonnenaufgang

Dumm gelaufen. Aufgelaufen

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Urlaub vom Urlaub

Jan• 27•20

Am nächsten Morgen weht es noch immer. Ich wache auf, als die Tide kentert und die Flut einsetzt. Noch sind wir durch die Sände geschützt, aber in zwei drei Stunden wird Néfertiti wieder in einer kurzen steilen Welle arbeiten. Ich stehe auf und checke die Lage mit einem kurzen Rundblick. Néfertiti schwingt gerade mit der neuen Strömung herum. Ich schalte das Ankerlicht aus. Ima ist auch wach geworden:
„Wie schön ruhig es ist… Aber das wird nicht so bleiben, oder?“ Ich schüttele den Kopf und frage sie:
„Urlaub vom Urlaub?“ Sie weiß genau, was ich meine.

Blick durch den Niedergang Néfertitis ins Watt

Damit hat das Kreuzfahrt-Komitee nicht gerechnet …

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Der Zeitdieb von Wangerooge

Jan• 20•20

Die nächsten Tage weht es kräftig. Graue Wolken ziehen über die Nordseeinsel hinweg und mit ihnen ein Regenschauer nach dem anderen. Uns beeindruckt das wenig. Wir machen lange Strandspaziergänge. Die Reparatur der Membrane im Motorblock dauert nur ein paar Minuten. René und ich hatten mit dem Kleber gespart, um die Elastizität der Membran möglichst zu erhalten. Jetzt kleistere ich sie mit dem Zweikomponenten-Kleber zu.

Hafenmole Wangerooges fast überspült

Die Hafenmole Wangerooges im Sturm

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Starkwind im Seegatt

Jan• 12•20

Als ich aufwache herrscht … Stille. Kein Fauchen im Rigg, kein Pfeifen. Der Wind hat sich beruhigt. Eigentlich hätte ich Lust noch etwas auf Helgoland zu bleiben. Habe ein Café entdeckt, in dem ich mich wohl fühle. Gerne würde ich mich dort hinsetzen und an dem Buch für Delius und Klasing arbeiten. Aber das bedeutete, dass wir hier auch die nächsten Tage bleiben müssten, denn das Wetter soll erst am Montag wieder besser werden. Und ich weiß, wie sehr es Ima ins Watt zieht.

Mieses Wetter bei der Annäherung an Wangerooge

Wangerooge im Nieselregen

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Helgoland oder: Ein ereignislos ereignisreicher Tag

Jan• 08•20

Morgens werde ich in aller Herrgottsfrühe wach. Die Dämmerung scheint gerade vorbei zu sein. Ich höre leise Stimmen. Durch die Bullaugen auf Imas Seite sehe ich den langen Mast einer Yacht, die sich scheinbar bei uns ins Päckchen legen will. Schnell schäle ich mich aus dem Schlafsack und steige an Deck. Eine Pogo, die Foxy Lady, ist schon fast längsseits. Ich nehme ihre Leinen entgegen. Ihre Erlebnisse sind noch ganz frisch und drängen nach Ausdruck. Vater und Sohn wollten eigentlich nach England und sind die halbe Nacht gegenan gebolzt. Ich denke, das war auf diesem Renner noch ungemütlicher als es auf Néfertiti gewesen wäre. Vor Borkum haben sie sich entschieden nach Helgoland abzulaufen.

Nordstrand Helgolands

Blick auf die Nordsee

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Nordergründe

Jan• 01•20

Nordsee. 5 – 6 Windstärken aus West. Néfertiti fällt in ein Wellental. Gischt spritzt auf und wird weggeweht. Wir segeln hoch am Wind. Mit Motorunterstützung, denn wir müssen pünktlich zu Hochwasser am Seegatt sein. Wir kämpfen uns Richtung Wangerooge. Néfertiti boxt sich durch die nächste Welle, torkelt in der chaotischen See. Die Gischt spritzt bis zu mir ins Cockpit. Ich ducke mich weg. Wo kommt dieser Seegang plötzlich her? Eben war das doch noch viel handiger. Mein Blick wandert zum Echolot. Nur noch sieben Meter. Das kann nur eines heißen: Der Strom hat uns auf die Nordergründe versetzt.

Néfertiti segelt nach Helgoland

Wir kommen nicht durch das Seegatt …

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Schreiben, Segeln, Reisen und die Zukunft des Blogs

Dez• 20•19

Ima und ich hatten große Pläne für den letzten Sommer. Wir wollten auf das Boot ziehen und Richtung Süden segeln. Ohne festes Ziel, ohne Termine. Wir haben es nicht geschafft. Noch nicht!

Auch wenn wir unseren Lebensunterhalt mittlerweile überall auf dieser Welt verdienen können, musste der Süden dieses Jahr noch auf uns warten. 

Dafür waren wir lange Wochen im Watt unterwegs. Haben uns von Wind und Wellen treiben lassen. Von einem Ankerplatz zum anderen. Es war eine Reise in unser Inneres. In das Innere unserer Beziehung.

Das Wetter hat auf diesem Törn immer wieder einen Strich durch unsere Pläne gemacht. Wir hatten oft (zu)viel Wind und ich habe den schlimmsten seemännischen Fehler meines bisherigen Seglerlebens begangen. Ein Fehler der uns Boot und Leben hätte kosten können. Naja. Néfertiti ist ein starkes Boot… Wir hatten unverschämtes Glück und sind unversehrt durchgekommen. Neptun hat uns nicht einmal ein blaues Auge verpasst.

Wir segeln mit Néfertiti auf die Sonne zu, aber leider muss der Süden noch etwas auf uns warten.

Wir segeln zu neuen Ufern. Das soll auch für den Blog gelten.

Spätestens ab Januar werde ich hier im Blog regelmäßig von unserer Reise erzählen. Noch ein Wort zum Buch über unser Digitales Nomadentum unter Segeln. Die Verhandlungen mit Delius Klasing ziehen sich hin. Die Lektoren loben meinen Stil. Aber unsere Vorstellungen von einer Win-Win Situation für Autor und Verlag liegen weit auseinander. Momentan beschäftige ich mich intensiv mit Selfpublishing. 
Erst einmal wünsche ich Euch ein wunderschönes Weihnachtsfest und ein friedliches Neues Jahr mit vielen Meilen unter Segeln.
Alles Liebe
Klaus