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Segeln als Digitale Nomaden

Segeln als Digitale Nomaden: Geht das?

Aug• 11•18

Unsere Erfahrungen nach zwei Monaten Digitalen Nomadentums

In unseren Träumen griffen wir nach den Sternen. Unsere Erwartungen waren hoch. Segeln und unterwegs den Lebensunterhalt mittels Internet verdienen? Welcher Segler träumt nicht davon? Aber funktioniert das? Jetzt sind wir zwei Monate unterwegs. Zeit für einen Zwischenbericht.

Segeln in den den Schwedischen Schären als Digitaler Nomade

Auf dem morgendlichen Weg zum Arbeitsplatz

Wer unseren Blog länger verfolgt, weiß, dass wir hauruck aufgebrochen sind. Blauäugig haben wir die technischen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Leben als Digitale Nomaden ignoriert. Erst mal los und dann sehen, war unsere Devise. Generalprobe haben wir es genannt, aber eigentlich wäre Versuch (und Irrtum) treffender gewesen ;) .

Wer segelt und sein Geld im Internet verdienen möchte, ist von zwei Lebensadern abhängig. Strom und WLAN. Strom ist in den meisten Häfen selbstverständlich, aber um als Digitaler Nomade zu bestehen, sollte das Boot stromtechnisch autark sein. Insbesondere, wenn man von Ankerplatz zu Ankerplatz segeln möchte. Unser kleines Sonnenpanel reicht kaum aus, um ein Laptop zu laden und es dauert Stunden. Bevor wir im nächsten Jahr zur Großen Fahrt aufbrechen, werden wir hier nachrüsten!

Wir haben soviel wie möglich mit unseren Handys gearbeitet. Digitale Nomaden machen viel Akquise. Das bedeutet: Man verbraucht Datenvolumen, ohne zwingend dafür bezahlt zu werden. Wer normalerweise ankert, möchte auch nicht für jede Bewerbung in einen Hafen gehen. Schließlich muss man mit seinen Jobs genug verdienen, um die fruchtlosen Bewerbungen mitzubezahlen. (Wir haben fünf bis zehn Bewerbungen für einen Treffer und das scheint mir ein relativ guter Wert zu sein) Ich selbst kann allerdings auf dem Handy schlecht schreiben. Wer das Handy nun als Hotspot verwendet, wird erstaunt sein, wie schnell das Datenvolumen aufgebraucht wird, da das Laptop glaubt, mit einem „normalen“ WLAN verbunden zu sein, und versucht upzudaten, was upzudaten ist. Mein Freund Julian (booteblog.de) hat dafür eine technische Lösung gefunden, die wir nach unserem Aufbruch nicht mehr realisieren konnten. (Der Artikel dazu ist zwar etwas betagt, aber immer noch die beste Einführung in das Thema, die ich im Internet gefunden habe.)
So haben wir uns notgedrungen auf öffentliche Netze konzentriert. Der eine oder andere Hafen und die meisten Bibliotheken verfügen in Schweden über freies WLAN. Auch Tourist Information und manches Café (Weniger als man denkt!) sind gute Anlaufstellen. Manche Kommune bietet freies WLAN an. Aber öffentliche WLAN Netze sind oft langsam. Zu viele User. Selbst wenn man vollen Empfang hat. Wer das Netz zum Arbeiten braucht, hat am frühen Morgen noch die besten Karten.

Arbeitsplatzsuche als Digitalert Nomade

„Hast Du hier WLAN?“!

Was wir unterschätzt haben ist der Aufwand, seine Arbeit zu organisieren. Alleine seinen Platz zum Arbeiten zu finden ist eine Arbeit für sich. Die Vorstellung eines Büros unter Palmen ist verführerisch, aber mitunter sitzt man mit seinem Laptop unter einer Markise bei Nieselregen…
Reisen und Geldverdienen bedürfen unterschiedlicher Rhythmen. Wenn man einen guten Platz zum Arbeiten gefunden hat, an dem man sich wohl fühlt, wo man die lokalen Verhältnisse kennt und nun weiß wohin, dann sollte man eine Zeitlang an diesem Platz bleiben. (Ein paar Wochen ?!) Wer aber reist, den zieht es weiter. Wir haben uns auf unserer Reise das Ziel Stockholm gesetzt und sind deshalb immer weiter und weiter gesegelt… Toll zum Reisen, aber weniger zum Geldverdienen. Denn nach einem langen Segeltag ist man rechtschaffen müde und schnell ist die geplante Bewerbung auf morgen verschoben. Am nächsten Morgen hat sich das Wetter geändert und man muss den Ankerplatz verlassen … Ihr wisst schon worauf ich hinaus will.

Wer mit dem Gedanken spielt ein Digitaler Nomade zu werden, sollte sich unbedingt ein finanzielles Polster verschaffen. Ich hatte ein kleines Polster, das unheimlich beruhigt. Ima hatte keines. Als sie sich den Mittelhandknochen brach, konnte sie nicht mehr arbeiten. Alleine wäre sie aufgeschmissen gewesen! Vier Wochen ohne Einkünfte hauen richtig rein! Auch ist die Auftragslage nicht immer gleich gut…

Noch ein Wort zu Krankenversicherungen. Die Auslandsversicherung Envivas ist ein Witz für Individualreisende. Ich vermute, dass dies für viele Auslandsversicherungen gilt. Leistungen werden nur gezahlt, wenn man nicht länger als acht Wochen im Ausland weilt. Sie weigern sich nun Imas Krankenhausrechnung zu bezahlen, weil sie darauf bestehen einen Nachweis für Imas Ausreise zu erhalten. Sprich ein Flugticket. Etwas mit Datum, Namen und Stempel. Obwohl seit Imas Ausreise keine acht Wochen vergangen sind. Wer nur mit einem Boot oder Auto durch die grenzenfreie EU reist, ist von den Leistungen ausgesperrt, wenn er seine Ausreise nicht taggenau nachweisen kann! Und wer länger als acht Wochen im Ausland weilt, sowieso.

Arbeitsplatz eines Digitalen Nomaden

Arbeitsplatz im Nieselregen

Also: Ist es möglich als Digitaler Nomade zu segeln? Ich würde die Frage immer noch bejahen. Auch wenn es uns auf dieser Reise noch nicht gelungen ist unseren ganzen Lebensunterhalt zu verdienen. Ein großer Posten ist dabei allerdings die Hamburger Wohnung, die allmonatlich bezahlt sein will. Noch haben wir nicht den richtigen Rhythmus gefunden. Meiner Meinung nach müssen wir länger an Orten verweilen.

Den technischen Voraussetzungen haben wir zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Am besten wären große, bezahlbare Datenvolumina, so dass man seinen Internetbedarf über das Handy stillen kann. Dann wird man wirklich mobil. Aber zur Frage der Fragen: Wollen wir nach unseren bisherigen Erfahrungen immer noch als Digitale Nomaden arbeiten und segeln?
Ja!

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4 Comments

  1. Volker Behrens sagt:

    Ich habe das „segeln und arbeiten“ dieses Jahr auch mal für 8 Wochen ausprobiert. Ich verdiene zwar nicht mein Geld mit dem Internet, aber benötige es natürlich auch und somit kann die die Probleme mit Datenvolumen und WLAN nur bestätigen. Wobei ich Scheden schon gegenüber Deutschland und Dänemark hervorragend organisiert finde, einzig im Göta Kanal war es sehr mau. „Segeln UND arbeiten“ ist allerdings schwierig, so wie ihr es beschrieben habt, abends ist man zu kaputt. Am besten 1 Tag segeln und 1Tag arbeiten im Wechsel. Was die techn. Ausrüstung betrifft habe ich es schon ganz gut optimiert.

  2. Schau Dir mal Red M von Vodafone an. Habe 19 GB
    und muss mich in der EU um nichts kümmern
    ( außer Türkei und Schweiz. Alles wie daheim
    und kein Umschalten in irgendeiner Form nötig.
    Gruß Walter

  3. Martin sagt:

    Hallo Klaus,
    Ich empfehle dir den Süden, Spanien oder Italien :
    – Viel Sonne, da reicht dein Solarpanel
    – 30 GB für 10 Euro in Italien

    -Im Sommer kühler als in D (zumindest dieses Jahr:-))
    – Oder z.B. Andalusien, wenig Regen, ein Bier mit Tapas für 2,50 inkl. Wlan und Steckdose. D.h. 4 Bier und du bist glücklich, satt, das Laptop ist voll und durch das Netz gesurft;-)
    In diesem Sinne
    Gruß von Sardinien
    Martin

  4. Matthias sagt:

    Nomaden reisen nicht der Reise wegen, sondern erst gezwungenermaßen, wenn die Ressourcen verbraucht sind und auch dann bevorzugen sie bereits bekannte Ziele, um sich nicht stets neu einfinden zu müssen.
    Ich habe den Eindruck, dass auch Ihr als digitale Nomaden ähnliche Antworten auf ähnliche Bedürfnisse finden werdet.
    Wer träumt nicht davon, auf Reisen seinen Lebensunterhalt verdienen zu können?
    Schön, dass Ihr Euch für uns Träumer als Versuchskaninchen opfert und uns an den großen und kleinen Widrigkeiten teilnehmen lasst. 😀
    Ihr werdet es schaffen! Euren bescheidenen Energiebedarf werdet Ihr mit Wind und Sonne irgendwann gedeckt bekommen und Euren Datenhunger scheint zumindest in Europa Vadaphon Red für 80 E im Monat stillen zu können.
    LG und meine Bewunderung für die eigentlich doch sehr landverbundene Ima
    Matthiaw

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